Dr. med. Winfried Karduck
Arzt, Facharzt für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde
Wozu brauchen wir eine ganzheitliche Medizin?
"Damit müssen Sie leben" oder "da ist medizinisch nichts zu machen", haben Sie solche Sätze nicht auch schon einmal gehört? Jeden Tag hören Patienten diese Sätze aus dem Munde ihres Arztes. Diese Aussagen beruhen jedoch lediglich auf der persönlichen Erfahrung des behandelnden Arztes, und oft genug kommt es vor, daß er die Ursachen für die Beschwerden nicht herausfindet, weil das einerseits mit den üblichen Mitteln oft nicht gelingt, oder weil an bestimmte Ursachen nicht gedacht wird. Kein Mensch weiß alles, auch der Arzt nicht. Daher besteht die Notwendigkeit, sich ständig weiterzubilden. Geschieht diese Weiterbildung nur auf dem Gebiet der an Universitäten gelehrten Medizin, bleiben wertvolle Erkenntnisse außen vor. Oft genug werden Erfahrungen mit anderen Diagnosemethoden belächelt, da sie nicht wissenschaftlich sind. Andere Methoden sind zwar wissenschaftlich, haben sich aber allgemein noch nicht herumgesprochen, wieder andere wirksame Methoden können nicht abgerechnet werden, da es hierfür keine Gebührenziffer gibt. Es gibt also zahlreiche Gründe dafür, warum unsere Medizin nicht ganzheitlich ist.
"Die Krankheit wird behandelt, wenn sie da ist, aber keiner fragt danach woher sie kommt" (Zit. Dr. Beisch). Wenn man einer Krankheit auf den Grund gehen will, braucht man spezielles Wissen. Letztendlich stößt man immer auf Störungen auf der molekularen Ebene in den Zellen oder deren Umgebung, dem Bindegewebe. Über gründliche, biochemische Kenntnisse verfügt aber nur der Biochemiker. Ein Arzt lernt zwei Semester lang Biochemie. Mit diesen Kenntnissen kann er die Ursachen der Krankheiten in der Regel nicht erfassen. Somit bleiben seine Diagnosen oft sehr allgemein: z.B. ?essentielle? Hypertonie, eine Umschreibung der Tatsache, daß er die Ursache eigentlich selber gar nicht kennt. Aber dennoch wird die Krankheit symptomatisch behandelt, meist lebenslänglich. Dann muß der Patient wirklich ?damit leben?, ihm wird keine wirkliche d.h. ursächliche Hilfe zuteil. Das Ziel einer ärztlichen Behandlung sollte jedoch sinnvollerweise darin liegen, die Krankheit zu beseitigen und nicht darin, die Symptome zu unterdrücken. Letzteres wäre in vielen Fällen auch gar nicht nötig, denn es gibt erfreulicherweise eine zunehmende Zahl von Ärzten, die von der Ganzheitlichkeit der Medizin überzeugt sind. Es ist ihnen ein großes Anliegen, sich auch auf den Gebieten der komplementären Medizin weiterzubilden, z.B. während der ?Medizinischen Woche? in Baden-Baden, um schon heute in ihren Praxen die dort vermittelten neuesten Erkenntnisse umzusetzen, noch lange bevor sie von der Schulmedizin zur Kenntnis genommen werden. Wenn die Synthese aus universitär vermittelter Medizin und komplementären Diagnose- und Therapieverfahren wirklich gelänge, würde das zu einem besseren Verständnis der Krankheitsursachen führen. Es wäre im Sinne der Patienten zu wünschen, daß auch in der Medizin zusammenwächst was zusammen gehört.
Dr. med. Winfried Karduck
